Bondenloser Spielgrund

Die glitzernde Meeresoberfläsche verdunkelt sich - bedächtig nähert sich ein riesiger Mantarochen. Hier und dort wirbelt er ein bisschen Plankton auf, die Gesetze der Schwerkraft scheinen aus den Fugen geraten, die Zeit gedehnt. der Raum unendlich.
In ihren Zeichnungen, Bildern, Skulpturen und raumgreifenden Ensembles ergründet die in Genf lebende Japanierin Tami Ichino spielerisch und gekonnt die Mysterien der Natur bis bodenlose Untiefen. Auf oftmals dunkel gehaltenem Grund tauchen realistisch gemalte, alltägliche Objekte auf und defieneren als präzis gesetzte Akzente die räumlichen Verhältnisse im Bild. Auf der inhaltlicher Ebene entzieht sich dieser vermeintlich gefestigte Boden jedoch wieder, denn die geheimnisvolle Herkunft dieser Objekte bleibt, trotz ihrer alltäglichen Vertrauheit unerklälich, rätselhaft.
Zuweilen fast verstörend wirken diese Szenerien, wenn sich gewisse Formen verselbständigen, aus den Bildern heraus bewegen, als Skulpturen im Raum stehen. Dieses durchdachte Verweisspiel von Malerei und Skulptur macht die ineinander verwobene Doppelsinnigkeit von Inhalt und Form, Realität und Illusion erfahrbar.
Langsam verschwindet der Mantarochen im dunkeln Farbenmeer. Seine seltsame Form verhalt als leuchtender Wirbel am Bilbrand.

 

Andrea Portmann / 2008